Was Sie bei der Körperpflege beachten sollten

"Die Haut ist der Spiegel der Seele", sagt der Volksmund. Über die Berührung der Haut erreichen wir immer auch unser Inneres. Es werden Gefühle, Zärtlichkeit und Zuwendung über sie ausgetauscht, und die Haut verrät auch unsere Emotionen. Sie ist, was in der Regel zu wenig beachtet wird, unser größtes Sinnesorgan. Haut und Körper sind somit etwas Kostbares, das gepflegt werden muss, gerade bei schwerkranken Menschen.

 

Eine aufmerksame Körperpflege ist aber auch wohltuend für die Seele. Dabei kommt es vor allen Dingen darauf an, sich nach den persönlichen Gewohnheiten des Kranken sowie nach seinen besonderen Bedürfnissen und seinem Schamgefühl zu richten. Zu achten ist aber auch auf das eigene Empfinden: Nicht selten haben Angehörige - bei allem guten Willen - gerade bei der Körperpflege des von ihnen geliebten Menschen anfängliche Schwierigkeiten zu überwinden.

 

Beim Schwitzen, das bei Krebskranken häufig auftritt, tut es gut, wenn man sie mit Salbei-Wasser wäscht (1 Liter Wasser erhitzen, 2 Teebeutel Salbei 8 - 10 Minuten darin ziehen lassen und 2 Liter Wasser hinzufügen).  Wenn man den Patienten damit wäscht, sollte die Wassertemperatur nicht mehr als 10°C unter der Körpertemperatur liegen. Der Intimbereich sollte mit diesem Wasser nicht gewaschen werden, um die Schleimhäute nicht zu reizen. Die Haut nach dem Waschen nicht einfetten, da es durch das Verstopfen der Poren zum Wärmestau kommen kann.

 

Bei Fieber hilft eine Körperwaschung mit Pfefferminze (1 Liter Wasser erhitzen, 2 Teebeutel Pfefferminze 10 Minuten darin ziehen lassen und 4 Liter Wasser hinzugeben). Die Temperatur sollte auch hier nicht weniger als 10°C unter der Körpertemperatur liegen. Für die Anwendung gelten die obigen Hinweise.

 

Häufig tritt bei den Kranken ein quälender Juckreiz auf, der die Lebensqualität sehr stark beeinträchtigt. Es gibt unterschiedliche Ursachen dafür, z.B. trockene, schuppige Haut, Zucker-, Leber- oder Nierenerkrankungen, Allergien auf Lebensmittel/Waschmittel, Reaktionen auf Medikamente.  Die Behandlung des Juckreizes erweist sich oft als schwierig, da der Drang, sich zu kratzen, häufig sehr groß ist. Linderung kann z.B. eine Körperwaschung mit Obstessig verschaffen (3 Essl. Obstessig auf 5 Liter Waschwasser). Kühleres Waschwasser verstärkt die Linderung. Den Intimbereich sollten Sie mit diesem Wasser nicht waschen. Bei sehr trockener Haut haben sich Ölbäder mit fetthaltigen und harnstoffhaltigen Substanzen bewährt. Der Apotheker berät Sie gerne. Zusätzlich kann der Arzt juckreizstillende Medikamente verschreiben. Es ist darauf zu achten, dass Kleidungsstücke aus Synthetik oder Wolle nicht in direkten Kontakt mit der Haut kommen. Juckreiz und Schwitzen können dadurch zusätzlich verstärkt werden. Hilfreich ist auch der Einsatz von ätherischen Ölen. Zu beachten ist dabei, dass ätherische Öle nicht direkt ins Waschwasser gegeben werden sollen. Sie sind vorher aufzulösen, z.B. in einem neutralen Bademittel, in Honig, Pflanzenöl, Kondensmilch oder süßer Sahne. Eine dieser Substanzen wird dann mit Zitrone, Rosmarin oder Lavendel vermischt ins Wasser gegeben: Für eine Waschschüssel ca. 1 Essl. süße Sahne (oder eine andere Trägersubstanz) mit max. 5 Tropfen ätherischem Öl mischen; für ein Vollbad 3-4 Essl. süße Sahne (oder andere Trägersubstanz, z. B. 30 ml Weizenkeimöl) mit max. 5-10 Tropfen ätherischem Öl in die Badewanne geben.

 

Bei Einschlafproblemen, bei Schmerzen und Unruhe hilft eine beruhigende Körperwäsche. Sie reduziert die Spannungen. Die Wassertemperatur liegt zwischen 37°C und 40°C.  Wenn der Kranke es wünscht, kann man einige Tropfen Lavendel- oder Melissenöl dazu geben, die man vorher in etwas Milch verrühren sollte, damit sie sich im Wasser besser auflösen. Auch ein warmes Fußbad wirkt besonders beruhigend. Neben diesen beruhigenden Ölen gibt es andere, die dem Kranken ebenfalls wohl tun: Johanniskraut entspannt, Kamille pflegt und schont die Haut, Rosmarin und Zitrone wirken belebend. Ätherische Öle sind Heilstoffe, deshalb sollten Sie immer die Angaben auf den Beipackzetteln beachten.

 

Eine Massage tut immer gut. Ein- bis zweimal in der Woche, unter Umständen auch öfter, kann man die Haut mit einem guten Massageöl einreiben und dies mit einer wohltuenden Massage verbinden.  Die Körperwahrnehmung wird dadurch gefördert. Es ist wichtig, sich für das Eincremen sehr viel Zeit zu lassen und alles sorgfältig und ruhig durchzuführen. Hierbei lassen sich gleichzeitig Hautveränderungen feststellen, auf die man die Pflegekraft bzw. den Arzt hinweisen sollte. Auch den Füßen tut eine Massage gut. Viele Kranke empfinden sie als sehr entspannend und angenehm. Eine Fußmassage, unterstützt durch ein Massageöl, kann durch den nahen Kontakt Ängste lösen und das Einschlafen fördern. Sie kann den Kranken auch das Gefühl geben, wieder "Boden unter die Füße" zu bekommen, den Menschen, die lange im Bett liegen, ja tatsächlich verlieren.

 

Um zu verhindern, dass sich der Kranke wund liegt, ist darauf zu achten, dass er regelmäßig seine Lage im Bett ändert.  Gefährdete Hautfalten, die bei starkem Schwitzen wund werden und durch das feuchte Milieu zu Hautschäden führen können, brauchen ein besonderes Augenmerk. Das Einlegen von Baumwollläppchen hilft, solche Nebenwirkungen zu vermeiden, und dünnes Auftragen von Teebaumöl fördert deren Abheilung. Evtl. verordnet auch der Hausarzt eine druckentlastende Matratze. Wenn Sie sich unsicher sind: Bei allen Maßnahmen der Körperpflege stehen Ihnen selbstverständlich die Hospiz-und Palliativ-Pflegefachkräfte sowie die Pflegekräfte des ambulanten Krankenpflegedienstes beratend zur Seite.

 

 

Warum regelmäßige Mundpflege wichtig ist

Eine besonders wichtige Rolle bei der Betreuung eines Schwerkranken spielt die Mundpflege. Sie sollte sorgfältig und regelmäßig durchgeführt werden, damit keine größeren Probleme auftreten.

Intensive Mundpflege wird meist notwendig

Auch Medikamente können eine Mundtrockenheit verursachen. Diese Faktoren können die natürliche Mundflora zerstören und Entzündungen, Schluckbeschwerden, Schmerzen, Borkenbildung und Pilzinfektion (Soor) fördern.

 

Durch eine gute, regelmäßige Mundpflege lässt sich dem vorbeugen. Dazu gehört,

Grundsätzlich ist darauf zu achten, nur solche Mittel zur Mundpflege zu verwenden, die dem Patienten schmecken. Gerade auch bei wahrnehmungsgestörten und verwirrten Menschen verbinden sich erfahrungsgemäß Gerüche mit Erinnerungen.

 

Zur Mundpflege geeignet sind beispielsweise:

Wenn die Mundschleimhaut mit Pilzbelägen befallen ist, oder der Mund sehr schmerzt, verschreibt der Arzt spezielle Medikamente, die eine Linderung verschaffen.

 

Wie Sie den Kranken mit Essen und Trinken versorgen können

Essen und Trinken sind von elementarer Bedeutung für den Menschen. Im Laufe seines Lebens entwickelt jeder Mensch bestimmte Essgewohnheiten und Rituale, an denen er hängt und die mit seinem Wohlbefinden fest verknüpft sind. Gemeinsame Mahlzeiten erhalten und fördern soziale Kontakte und lassen Gemeinschaft erleben.

 

Die Krankheit verändert häufig die Essgewohnheiten und den Stellenwert des Essens. In der Krankheit machen die Patienten die Erfahrung, daß sich der Geschmack und die Lust am Essen stark verändern können, und nicht selten verliert das Essen schlichtweg seine bisherige Bedeutung

 

Oft ist eine Appetitlosigkeit des Kranken verbunden mit anderen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen oder Schmerz. Diese Verbindung macht dem Patienten und den Angehörigen deutlich, wie schlecht es um ihn steht. Wenn Angehörige, Freunde, Pflegekräfte oder Ärzte dem Patienten zureden, doch etwas zu essen, entsteht für ihn nicht selten eine belastende, ja ausweglose Situation: Zwingt er sich zum Essen, so wird ihm wahrscheinlich davon übel; weigert er sich zu essen, so kann dies dazu führen, dass sich sein Allgemeinbefinden noch weiter verschlechtert. Probleme mit der Ernährung können dazu führen, dass Patienten nicht mehr an den gemeinsamen Mahlzeiten teilnehmen wollen oder können.

 

Wenn der Schwerkranke nicht mehr essen will, wächst die Not der Angehörigen. Sie reagieren mit Hilflosigkeit und teilweise auch mit Schuldgefühlen. Oft steht die Angst im Hintergrund, der Patient könnte verhungern, und sie hätten das Notwendige nicht getan.

 

Die Situation der Angehörigen ist mehr als verständlich: Für sie ist das Mitbringen und Zubereiten von Speisen ein Zeichen ihrer Zuneigung und Sorge. So können sie aktiv etwas für ihren Kranken tun. Solange der Patient noch kleine Mengen essen und schluckweise trinken kann, kann man ihm häufig kleine Portionen von Lieblingsgerichten und Getränken anbieten. Es kann aber passieren, dass der Kranke sich ein Gericht wünscht und es dann doch nicht essen kann. Darüber zu sprechen, erleichtert diese für beide enttäuschende Erfahrung. In manchen Situationen ist auch eine kräftigende Trinknahrung zusätzlich angebracht.

 

Wenn dies nicht mehr möglich ist, bleibt Ihnen als eine gute Geste der Unterstützung und Zuwendung eine sorgfältige Mundpflege. Und das ist nicht wenig. Damit können, wie schon ausgeführt, das Austrocknen der Schleimhäute - was meist qualvoller ist als Durst - verhindert und das Durstgefühl sowie das Gefühl des schlechten Geschmacks im Munde gemindert werden.

 

Auf keinen Fall sollte man einen Sterbenskranken, der in seinen letzten Tagen nicht mehr essen möchte, gegen seinen Willen nötigen, in welcher Form auch immer, Nahrung zu sich zu nehmen. In der letzten Lebensphase vermindern sich die Körperfunktionen wie Nahrungstransport durch Magen und Darm, und die Stoffwechselvorgänge verlangsamen sich. Dies führt dazu, dass die Kranken schneller satt sind, ein vermindertes Hungergefühl haben und die Nahrung schlechter vertragen.

 

Manchmal entstehen Ess-Probleme auch durch die Krankheit selbst oder können Begleitsymptome der Behandlung oder der Erkrankung sein. Es können z.B. Schluck- oder Passagestörungen auftreten.

 

Bei ausgeprägten Kau- und Schluckstörungen besteht die Möglichkeit, den Patienten über spezielle Sonden zu ernähren, die - nur vom Arzt - durch die Nase oder direkt durch die Bauchdecke in den Magen gelegt werden. Das Legen einer Sonde ist ein Eingriff in den Körper, der das Einverständnis des Patienten voraussetzt. Deshalb sind zwei Situationen zu unterscheiden:

 

Was gegen Verstopfung hilf

Häufig kommt es bei fortgeschrittener Krebserkrankung zur Verstopfung. Die Kranken klagen dann über Unwohlsein, Appetitlosigkeit und Völlegefühl, über Schwierigkeiten bei der Darmentleerung, über Übelkeit und Erbrechen. Es können auch krampfartige Schmerzen auftreten.

 

Ursachen für die Verstopfung können sein: ballaststoffarme Ernährung, eine zu geringe tägliche Trinkmenge, zu wenig Bewegung, die dauernde Bettlägerigkeit. Auch ein wachsender Tumor im Bauchraum und manche Medikamente (z.B. Morphium) können zu Verstopfung führen oder diese fördern

 

Häufig sagen Kranke: "Es kann kein Stuhlgang kommen, ich habe doch fast nichts gegessen." Es ist aber so, dass im Darm regelmäßig Abbauprodukte gebildet werden, auch wenn sehr wenig gegessen wird. Auch sie können eine Verstopfung auslösen. Deshalb ist es notwendig, darauf zu achten, dass die Kranken alle 2-3 Tage Stuhlgang haben. Dabei ist auch die bisherige individuelle Stuhlhäufigkeit zu berücksichtigen.

 

Für den Kranken ist es oft peinlich, auch mit seinen Angehörigen über die Probleme zu sprechen, die er mit dem Stuhlgang hat - seine Intimsphäre wird dabei stark berührt. Deshalb ist ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen nötig.

 

Es ist gut, den Kranken daraufhin anzusprechen, was ihm bisher bei der regelmäßigen Stuhlentleerung geholfen hat. Geeignete Mittel zur Anregung der Darmtätigkeit sind u.a. Sauermilchprodukte, Milchzucker (in Drogerien erhältlich), Sauerkrautsaft, Obstsäfte, Backpflaumen (vorher gut einweichen). Nicht alle genannten Nahrungsmittel und Flüssigkeiten sind aber für jeden Kranken geeignet.

Hilfreich ist auch ein feuchtwarmer Umschlag auf die Bauchgegend, womit sich Verkrampfungen lösen lassen, oder der Einsatz eines Dinkelspelzkissens. Auch eine leichte Darmmassage kann als wohltuend empfunden werden. Dabei wird die Darmgegend vom rechten Unterbauch ausgehend kreisförmig massiert.

 

Bei starken Entzündungen im Bauchraum sollte der Arzt befragt werden, bevor eine Wärmeanwendung oder Darmmassage durchgeführt wird. Oft ist es nötig, dass der Arzt zusätzlich zu den genannten Maßnahmen Medikamente zur Stuhlentleerung oder einen Einlauf verordnet.