Wie Sie Ihrer Trauer Raum geben können

Einen lieben Menschen zu verlieren, Abschied zu nehmen für immer, ist eines der schwersten Dinge im Leben. "Den eignen Tod, den stirbt man nur, doch mit dem Tod des andern muss man leben...; wie soll ich leben, wenn er nicht mehr da ist?" schreibt M. Kaléko in ihrem Gedicht "Memento"

 

Wenn ein Mensch stirbt, hinterlässt er eine Lücke, die zuerst einmal durch nichts und niemanden zu schließen ist. Und trotz aller Anteilnahme: Sie fühlen sich unsagbar allein und verlassen. Selbst wenn der Tod sich durch eine schwere Krankheit angekündigt hat, sind Sie wahrscheinlich nicht wirklich darauf vorbereitet. Die Endgültigkeit, das Unwiederbringliche wird Ihnen vielleicht erst am Tag, an dem der Tod eintritt, oder manchmal sogar noch später schmerzvoll bewusst

 

Ihr ganzes Leben scheint sich aufzulösen, nichts wirkt mehr sicher, alles ist in Änderung begriffen. Viele Fragen bedrängen Sie in einer Situation, in der Sie kaum die Kraft aufbringen können, den nächsten Tag zu bestehen.

 

In dieser schweren Zeit ist es wichtig, nicht allein zu sein. Es ist gut, Freunde oder Angehörige um sich zu haben, mit ihnen in Stille zusammen zu sein oder sich auszusprechen. Aber vielleicht fühlen Sie sich gerade von Menschen, die Ihnen sonst nahe stehen, in Ihrer Trauer nicht verstanden. Freunde, Bekannte und Nachbarn wissen oft nicht, wie sie sich verhalten und mit der veränderten Situation umgehen sollen.

 

Sie erkennen sich ja manchmal selbst nicht wieder und fühlen sich von Ihren Gefühlen überwältigt. Sie wissen nicht, wie das Leben "ohne sie/ihn" weitergehen soll.

 

Es kann für Sie hilfreich sein, zu wissen, dass das Chaos der Gefühle, in dem Sie sich wiederfinden, viele Menschen in vergleichbarer Situation trifft. Es ist normal, starke, auch widerstreitende Gefühle zu empfinden. Diese Gefühle dürfen sein, und es ist gut, wenn Sie ihnen zum Ausdruck verhelfen können. Versuchen Sie nicht, sich mit aller Gewalt zusammenzunehmen und "gefasst" zu sein.

 

Nehmen Sie sich Zeit, um zu weinen.

 

Trauer verläuft nicht gradlinig. Sie verläuft auf einem Weg, der über viele Hindernisse, Umwege, Höhen und Tiefen führt. Die Zeit, die dafür benötigt und die Anstrengung, die Ihnen dabei abverlangt wird, werden Sie zu dem Ziel führen, den Tod des geliebten Menschen anzunehmen und Ihr eigenes Leben wieder bejahen zu lernen.

 

Dabei müssen Sie Ihren eigenen Trauerweg finden. Denn keine Trauer ist mit einer anderen vergleichbar. Was dem einen Menschen gut tut, ist für den anderen nicht akzeptabel und hilfreich. Lassen Sie sich nicht von anderen vorschreiben, wie Ihre Trauer auszusehen hat.

 

Wo Sie Beistand finden

Es ist wichtig für Sie, Menschen zu finden, bei denen Sie reden und sich aussprechen können. Nicht nur einmal, sondern immer wieder - so lange, bis Sie das Bedürfnis dazu nicht mehr verspüren. Finden Sie einen Freund oder eine Freundin, die zuhören kann und nicht gleich ein Urteil fällt. Wenn möglich, finden Sie jemanden, der eine ähnliche Trauer durchlebt hat.

 

Es kann hilfreich sein, mit einem Außenstehenden über den erlittenen Verlust zu sprechen. Deshalb bieten Ambulante und Stationäre Hospize für trauernde Menschen Begleitung durch qualifizierte Trauerbegleiter(innen) in verschiedenen Formen an: als Einzelgespräche oder -begleitungen, in offenen Gesprächskreisen und festen, begleiteten Trauergruppen, in Trauercafés und anderen Veranstaltungen für Trauernde.

 

Trauer braucht ihre Zeit und ihren Ort. Trauernde brauchen Möglichkeiten zum stillen Gedenken, Erinnern und Verweilen. In manchen Kirchen gibt es besondere Orte, wo Kerzen für die Verstorbenen angezündet werden können, vielleicht auch ein Trauerbuch einlädt, die eigenen Gedanken niederzuschreiben. Manchmal werden auch von Zeit zu Zeit besondere Gedenkfeiern angeboten.

 

"Die Mitte der Nacht ist der Anfang des Tages" - So möchten wir alle, die einen lieben Menschen verloren haben, ermutigen, ihrer Trauer Raum zu geben. Auch wenn der Verlust schon länger zurückliegt, kann die Trauer einen Menschen immer wieder neu an Leib und Seele erfassen. Es tut gut, dies zulassen zu können und nicht dagegen ankämpfen zu müssen. Umso eher werden Hoffnung und Freude wieder ihren Platz in ihrem Leben finden.